„Voyeure“ müssen Museum verlassen

„Voyeure“ müssen Museum verlassen

Flandern lehnt sich gegen künstlerische Zensur auf

Freitag, 20. Juli 2018 — Peter Paul Rubens wird die Zensur nicht los. Im 17. Jahrhundert bat die Kirche den flämischen Barockmaler, doch bedeckende „Lendenschurze“ über bestimmte Körperteile seiner Venusfiguren zu malen. Heute gehen soziale Medien wie Facebook noch einen Schritt weiter. Jede Brust, jeder Po und sogar jeder Cherub in den Bildern Rubens und anderen sind auf diesen Plattformen unerwünscht. Mit künstlicher Intelligenz durchsuchen Bots Facebook nach Nackten und machen dabei keinen Unterschied zwischen pornografischer Nacktheit und Akten in der Kunst. Flandern – der Ort, wo man die flämischen Meister in voller Schönheit genießen kann – stellt diese künstlerische Zensur mit einem Augenzwinkern an den Pranger. Im Rubenshaus werden „Voyeure“ mit einem Facebook-Konto freundlich – aber bestimmt – gebeten, das Gebäude zu verlassen. Mit der Aktion sendet Flandern eine Aufforderung an Facebook: Wie können wir das gemeinsam lösen?

Die Flämischen Meister muss man in Flandern erleben, dem wichtigsten Ziel für Kunstliebhaber überhaupt. Rubens, Bruegel und van Eyck haben hier gelebt und gearbeitet. In Flandern hängen ihre Werke oft noch genau an den Orten, für die sie einst geschaffen wurden. „Dieses besondere Erlebnis vermarkten wir gern“, sagt Peter De Wilde, CEO bei VISITFLANDERS. „Wegen unserer Flämischen Meister kommen jedes Jahr hunderttausende Menschen nach Flandern, und darauf sind wir stolz. Mit unserem mehrjährigen Programm rund um Rubens, Bruegel und van Eyck, das 2018 begonnen hat, erhoffen wir uns bis Ende 2020 um die drei Millionen Besucher. Heute ist es aber nicht möglich, unser einzigartiges kulturelles Erbe über die beliebtesten sozialen Medien zu verbreiten. Unsere Kunst wird als unanständig und sogar pornografisch abgestempelt. Das ist besonders schade, weil es die Vermarktung unserer Flämischen Meister extrem einschränkt.“

„Wir sind dafür, nicht dagegen“, heißt es in Flandern. Peter De Wilde, CEO von VISITFLANDERS: „Soziale Medien und Kunst haben viel gemeinsam. Kunst verbindet. Soziale Medien verbinden. Und unsere Flämischen Meister auch. Darum wollen wir mit Facebook in einen Dialog treten, um unsere Kunst auch dort sichtbar zu machen. So schwer kann es doch nicht sein, kulturelles Erbe von reiner Nacktheit zu unterscheiden.

VISITFLANDERS wird dabei auch von den Flämischen Museen unterstützt. Ein offener Brief wurde von mehr als 15 Museen unterzeichnet. Diesen offenen Brief finden Sie hier.

Eine Aktion. Weil es nicht anders ging. Warum so eine Aktion, wenn doch Reden eigentlich am besten funktioniert? „Wir haben auf verschiedenen Kanälen versucht, den richtigen Ansprechpartner bei Facebook zu finden, um das Thema zur Sprache zu bringen. Das hat aber nicht geklappt“, so Peter De Wilde weiter. Mit der Aktion will Flandern ein Gespräch herbeiführen und gleichzeitig mehr Besucher in flämische Museen locken. „Flandern ist ein ganz besonderes Reiseziel in Sachen Kunst. Wir in Flandern sind aber von Natur aus eher diskret und schreien das oft nicht laut genug in die Welt hinaus. Mit dieser Aktion lassen wir etwas von uns hören und ehren gleichzeitig den Geist von Peter Paul Rubens. Er war ein künstlerischer Rebell, der der gesellschaftlichen Diskussion nie aus dem Weg gegangen ist. Besser könnte man unsere Flämischen Meister also gar nicht feiern als mit dem Kampf gegen unnötige künstlerische Zensur.“

Das Video zur Aktion finden Sie hier

Social media doesn't want you to see Rubens' paintings

Experience our Flemish Masters